An der Chiemseestraße entstehen bis zu 150 Wohnungen – Projekt geht demnächst ins Bebauungsplanverfahren

»Wir haben extremen Bedarf an Wohnraum«

Traunstein – »Wir haben extremen Bedarf an Wohnraum«, sagte Dr. Christian Hümmer, Sprecher der CSU-Stadtratsfraktion, in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses. »Wir hatten im letzten halben Jahr 800 Zuzüge in Traunstein, die Leute suchen teils sehr lange nach Wohnungen.« Insofern sei das Projekt der Firma Green Rock an der Chiemseestraße absolut zu begrüßen.

Die vier   vorderen   Gebäude dienen für die drei hinteren Gebäudekomplexe auch als Lärmschutz zur Chiemseestraße hin. Durch die etwas versetzte Anordnung wird eine Auflockerung gegenüber dem ursprünglich geplanten Riegel erreicht. (Foto: Stadt Traunstein)

Das sah der Ausschuss – bis auf ein Mitglied – am Ende auch so und stimmte dem jüngsten Planentwurf bei einer Gegenstimme zu. Das in der Sitzung gezeigte Modell sieht vorne an der Chiemseestraße vier Mehrfamilienhäuser mit je vier Geschoßen vor, die etwas versetzt aneinander gebaut werden. Dahinter entstehen drei weitere Gebäudekomplexe mit je drei Geschoßen.

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»Weder gebiets- noch nachbarverträglich«

»Was der Bauträger bietet, ist schon monumentale Masse«, sagte dazu Karl Schulz (CSU). »Das ist weder gebiets- noch nachbarverträglich in dieser Form an dieser Stelle. Ein 100 Meter langer Riegel ist ein Bezugsfall für alle weiteren Bebauungen, die kommen. Am Schluss stehen an der Chiemseestraße links und rechts lauter geschlossene Riegel. Das kennt man aus großen Städten, aber nicht aus Traunstein.«

Dazu entgegnete Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD): »Wir brauchen dringend Wohnraum. Da müssen wir nach vorn denken.« Die Stadt erlebe derzeit einen starken Zuzug. »Das begrüßen wir grundsätzlich. Eine Veränderung stellt das natürlich in jedem Fall dar.« Verdichtung also ja, soweit es verträglich sei. »Ich finde, das ist insgesamt ein gelungener Entwurf.«

Es sei immer noch eine sehr massive Bebauung, sagte dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD). »Im Rahmen der Möglichkeiten wurde es aber schon abgespeckt. Und wir wollen die Verdichtung.« Auf der grünen Wiese werde man nicht genug Wohnraum schaffen können. »Und nicht jeder kann sich ein Einfamilienhaus leisten. Auch Mietwohnungen seien gefragt. »Wichtig ist der höhenmäßige Übergang der hinteren Häuser zu den kleinen Häusern an der Waldstraße.«

Dazu sagte Hümmer, die Vorgaben, Abstandsflächen zur Straßenmitte und den Nachbarn hin einzuhalten sowie der fließende Übergang zur Waldstraße hin seien erfüllt. »Wir können hier auch den sozialen Gedanken einbringen, also ich kann das nur gutheißen.«

»Ich wünsche mir noch ein Stockwerk drauf«

Ganz anders argumentierte Stephan Hadulla (Grüne): »Ich wünsche mir eigentlich noch ein Stockwerk drauf, wir brauchen dringend Wohnraum. Wir müssen da neue Akzente setzen und verdichten, wo es geht.« Auf den erneuten Einwand von Karl Schulz, die Stadt müsse Charme und Charakter behalten, entgegnete Kegel: »Aber gerade diese Stelle war auch bisher nicht von allzu schöner baulicher Qualität geprägt.«

»Wir sind sehr froh, dass wir eine Einigung erzielt haben«, zeigte sich Patrick Stelzer, Prokurist der Firma Green Rock, gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt erleichtert. Und während das Projekt an der Wolkersdorfer Straße eher für Mitarbeiter des Klinikums gedacht sei, sollten an der Chiemseestraße rund 140 bis 150 Familienwohnungen entstehen – mit bis zu vier Zimmern. Den Riegel an der Chiemseestraße habe man gegenüber der ursprünglichen Planung etwas aufgelockert, »aber er ist aus Lärmschutzgründen notwendig für die Häuser dahinter«. Dadurch entstehe auch ein »schöner Innenhof« für die Familien.

»Am Ende weniger Fläche versiegelt als bisher«

Nächster Schritt sei die Einigung auf den Anteil der Wohnungen für soziale Nutzung. »Das ist immer ein Angebot von uns, denn das ist uns selbst wichtig«, so Stelzer. Der überwiegende Teil der Wohnungen werde wohl als Mietwohnung auf dem Markt auftauchen, denn die seien sehr gefragt. Den Bedarf zeigten auch eigene Untersuchungen.

Insgesamt, so Stelzer, sei das Projekt absolut positiv besetzt. »Wir haben ja mit den Nachbarn gesprochen. Für die ist eine Wohnnutzung auf alle Fälle besser als die bisherige Nutzung. Da wurde teilweise schon um 4 oder 5 Uhr in der Früh mit dem Umladen angefangen.« Und auch, wenn hier viele Wohnungen gebaut würden, »ein Teil der Fläche, zum Beispiel über der Tiefgarage wird begrünt. Am Ende wird weniger Fläche versiegelt sein als heute«, so Stelzer.

Nächster Schritt ist die Ausarbeitung des Bebauungsplanentwurfs seitens der Baufirma mit Anlagen und Gutachten. Erst dann geht das Ganze ins Bebauungsplanverfahren, muss öffentlich ausgelegt, in den Gremien beraten und beschlossen werden. coho