Christian Springer begeistert mit »Alle machen, keiner tut was« in Grassau

»Seids nett, d' Verwandtschaft kommt«

Politisches Kabarett, feinsinnig, ein wenig böse, aber immer treffend, bot Christian Springer im Grassauer »Heftersaal« mit seinem Programm »Alle machen, keiner tut was«. Das Publikum im voll besetzten Saal war begeistert und freute sich über die spitze Zunge des grandiosen Kabarettisten.

Christian Springer bei seinem Auftritt in Grassau. (Foto: Eder)

Gleich zu Beginn wunderte sich Springer, dass derzeit kein großes Fest und kein Umzug stattfinde, obwohl es doch ein Jahr »Markus Söder« zu feiern gebe. Zumindest ein lebensgroßer Bocksbeutel wäre angemessen gewesen. Schließlich habe es noch keiner so geschafft, Tradition und Moderne zu verbinden. »Lobend« erwähnte Springer dabei das »bayerische Raumfahrtprogramm«. Allerdings dürfe es keine schlanke Rakete, sondern, den Bayern angemessen, schon eher eine etwas breitere sein, da auch die Blaskapelle hineinpassen müsse.

Springer berichtete zudem von der großen Wohnungsnot, die auch in München herrsche. Aber anstatt sich dieses Problems anzunehmen, werde nun eine bayerische Reiterstaffel finanziert. Die Münchner Polizisten haben zwar keine Wohnung, dafür ein Pferd. Bildlich stellte sich Springer Verfolgungsjagden auf der Autobahn mit PS-starken Boliden und dem ein PS starken Verfolger vor.

Bald stehen wieder wichtige Wahlen an, wobei die Frage »Wer san wir?« im Raum stehen wird. Es gelte, die eigenen Werte zu verteidigen. »Wer ins Land kommt, soll sich an unsere Werte halten!«. »Aber welche sind das, fragte er. Der wichtigste Wert sei der Blutdruck, denn da geht's um Leben und Tod. »Wir sterben nicht am islamischen Terror, sondern am Bluthochdruck« und dies ist die Todesursache Nummer eins. Von 200 000 Todesfällen stellen die Bayern mit 50 000 die größte Gruppe dar und dies, obwohl man die Berge vor Augen habe. Weitere wichtige Werte seien der Cholesterinwert, aber auch der Promille-Wert und der Abgaswert. Springer widmete sich auch dem Gesundheitsminister Jens Spahn, der sich mit einer Hartz IV beziehenden Frau traf und nicht wusste, was er zum Kaffee mitbringen soll, und sich weigerte, einmal selbst von Hartz IV zu leben.

Der Kabarettist schlug aber auch sehr nachdenkliche Worte an, berichtete über seine Syrien-Hilfe und von Tausenden Menschen in Flüchtlingslagern, die unbemerkt sterben, nur weil ein »Tiefdruckgebiet« die Lager in Schneelandschaften, überflutete Regionen und Seuchengebiete verwandelt. »Da kann man die Socken nicht einfach zum Trocknen raushängen«, sagte er. Er berichtete auch vom Dresdner Kreuzchor, der nach China eingeladen wurde, dort aber das Lied »Die Gedanken sind frei« nicht singen durfte. Keiner habe damals gesagt, dass dies deutsche Kultur ist und eine der größten Kulturerrungenschaften die Rede- und Meinungsfreiheit ist. Springer wunderte sich nur, dass dieses Lied von der AfD im bayrischen Wahlkampf benützt wurde.

Der allergrößte Wert sei aber das »Diridari«. Auch zeigte er auf, dass vieles, was so bayerisch ist, gar nicht den Bajuwaren zuzuordnen sei und in den römischen Söldnertruppen, die das Bayernland in grauer Vorzeit heimgesucht haben, viele syrische Bogenschützen waren. So mancher stolze bayerische Trachtler trage so mehr syrisches Blut in sich als ihm bewusst sei. »Also seids nett, die Verwandtschaft kommt«, rief Christian Springer dem Publikum zu. Tamara Eder