»A Liacht is aufkemma« von Tobias Reiser ab morgen in der Großen Aula der Universität Salzburg

Perchtenmaske zeigt die zwei Seelen in jeder Brust

Ein Meilenstein in der Entwicklung des »Salzburger Adventsingens« von der Nummernabfolge zum szenischen Oratorium war das großartige, zeitlose Stück »A Liacht is aufkemma« von Tobias Reiser. Josef Radauer und seine Weggefährten, die seit 2006 als Alternative zum Adventsingen im Festspielhaus in der Großen Aula der Universität das »Tobi-Reiser-Adventsingen« organisieren, entschieden sich für eine Wiederaufnahme in diesem Jahr.

Alfred Kröll, der den »versuchten Menschen« darstellt, mit der Perchtenmaske. (Foto: A. Kolarik)

Radauer betrachtet es als eine reizvolle Herausforderung, das für eine große Bühne entworfene Werk im Kleinen umzusetzen. »Das ist fast wie eine kammermusikalische Aufführung«, erklärt er. Premiere ist am morgigen Freitag um 19 Uhr. Der Anlass, nach vielen eigenen Stücken dieses Weihnachtsoratorium aus dem Jahr 1986 zu wählen, bei dem Radauer in der ersten Fassung bereits als Kontrabassist mitspielte, war der Tod von Tobias Reiser vor 15 Jahren und seines Vaters Tobi Reiser vor 40 Jahren.

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Eine ganze Reihe von Mitwirkenden der 1986er Aufführung, die in den beiden Folgejahren und 1994 wiederholt wurde, wird auch der diesjährigen Interpretation Gestalt geben: das Ensemble Tobi Reiser, die Walchschmied Sänger, der Salzburger Dreigesang und Lichtregisseur Siegwulf Turek.

Der gebürtige Salzburger, Bühnenbildner und emeritierter Professor an der Kunsthochschule Helsinki, hat das Stück mit Tobias Reiser entwickelt und zu einem großen Bühnenerfolg geführt. »Das Stück stimmt in sich«, betont Turek. Es sei musikalisch so stark, dass es nicht einen großen Chor oder ein großes Orchester braucht. »Es hat kammermusikalisch die gleiche Kraft.« Turek entwickelte ein komplett neues Bühnenbild mit Hilfe seiner handgezeichneten, an die Wand projizierten Lichtbilder.

Die Bühne ist klassisch-schlicht in schwarz gehalten und verzichtet auf Volkstheater-Dekorationen, sodass sich alles auf die schauspielerische Gestik und Mimik konzentriert. Der Lichtregisseur hat auch noch eine andere Funktion: Er gibt dem »Bösen«, dem Alfred Kröll als die Gestalt des versuchten Menschen in den Rollen des Vetters von Josef, des falschen Freundes und eines Fremden seinen Körper gibt, die Stimme.

Alfred Kröll, Hauptschullehrer, stammt aus dem Zillertal und lernte Tobias Reiser kennen, als er 1997 »A Liacht is aufkemma« für die Pfarrkirche Brandberg im Zillertal adaptierte. Daraufhin lud Reiser den Amateurschauspieler ein, beim »Salzburger Adventsingen« mitzuwirken. Es kam nur zu einer gemeinsamen Aufführung der beiden Männer, die sofort einen Draht zueinanderfanden.

Der in diversen Rollen erscheinende »Versucher« ist immer weiß geschminkt. Am Hinterkopf zeigt sich die Fratze einer Maske von »Frau Percht« mit zwei Gesichtern – als Sinnbild für die zwei Seelen in der Brust jedes Menschen. Gerhard Schaber, ehemaliger Chefbildhauer der Salzburger Festspiele, fertigte eine originalgetreue Kopie einer alten Maske von 1850 aus dem Gasteinertal an.

Neben einer Einstimmung in den Advent geht es für Radauer um tiefere Gedanken über Hell und Dunkel, Himmel und Hölle, das tägliche Hin- und Hergerissensein zwischen beiden Polen und die täglich neue Entscheidung für eine Seite.

Aufgewertet hat er die Rolle der Maria, die mehr Gesangs- und Sprecheinsätze sowie zusätzliche Konturen bekommt, zum Beispiel mit ihren zutiefst menschlichen Sorgen dargestellt wird. Eine herausragende junge Sängerin, Madeleine Schwaighofer, die mit ihrem Mädchenquartett »G.L.A.S.klar« erste Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben errang, spielt heuer die Maria. Nikolaus Gruchmann, Vater eines langjährigen Hirtenbuben, ist der Josef an ihrer Seite.

Erweitert wurden auch die Einsätze der Hirtenkinder. Sie stellten heuer bereits in mehreren konzertanten Auftritten mit dem Ensemble Tobi Reiser, in dem Herbert Lagler aus Marktschellenberg die Zither spielt, ihre hohe Musikalität unter Beweis. »Es macht extrem viel Spaß, mit ihnen zu arbeiten«, betont Radauer. Begeistert ist er vor allem von seinen Posaunisten, darunter Sebastian Rehrl aus Surheim, deren Satz sich wunderbar mit der Geigenmusik mischt.

Restkarten, vor allem für 5./6. Dezember um 19 Uhr sowie 7./8. Dezember um 11 Uhr, gibt es beim Ticketcenter Polzer, Telefon 0043-662-8969-0. Veronika Mergenthal