»Wohnen am Rathaus«: Genossenschaftliches Bauen und Behinderteneinrichtung

Mit einem Sozialprojekt in die Zukunft

Unterwössen – Die Entwicklung des Projekts »Gemeinsames Wohnen am Rathaus« in Unterwössen hat zwei Jahre gedauert. Mit dem einstimmigen Votum des Gemeinderats für den Bebauungsplan in der jüngsten Sitzung sind die Pläne nun in trockenen Tüchern. Auf der rund 7200 Quadratmeter großen Fläche sollen eine Einrichtung der Lebenshilfe Traunstein und bezahlbarer Wohnraum der MARO-Genossenschaft entstehen.

Wohnen am Rathaus Unterwössen
Foto: Jens Wolf/dpa

Ermöglicht hat das Projekt der ehemalige Grundstücksbesitzer Hans Döllerer. Sein Anliegen war es immer, dass das Areal aus sozialen Gründen der Allgemeinheit in Unterwössen zugute kommt und nicht der Gewinnmaximierung auswärtiger Bauwerber. Auch bei den lukrativen Angeboten etlicher Mitbewerber für sein Grundstück blieb er standhaft.

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Ebenfalls berücksichtigt wurden die Wünsche der Gemeinde, die das Projekt von Anfang an begleitete. So sollte eine möglichst gestalterische, ortstypische und prägende Einheit entstehen, die den Ort mit einbindet.

Mittlerweile haben die Lebenshilfe Traunstein und die MARO-Genossenschaft für selbstbestimmtes und nachbarschaftliches Wohnen das Grundstück erworben. Annemarie Funke, Geschäftsführerin der Lebenshilfe, und Inge Schmidt-Winkler, Vorstand der MARO, stellten ihre Organisationen vor.

Standort im südlichen Landkreis gesucht

»Die Lebenshilfe betreut mit ihren 390 Angestellten mittels eines großen Leistungsspektrums Menschen mit geistiger Behinderung und Schädel-Hirn-Verletzungen. Lange waren wir auf der Suche nach einem Standort im südlichen Landkreis, der bisher fehlte«, sagte Funke.

In Unterwössen sei nun auf einer Grundstücksfläche von rund 2000 Quadratmetern ein größeres Wohngebäude mit 16 bis 20 Wohnplätzen geplant. Das Angebot schließt stationäres und ambulantes Wohnen sowie andere Nutzungen mit ein. Zusätzlich angedacht ist auch ein mögliches Beschäftigungsmodell, etwa in der Art einer »Kochwerkstatt« und eines »Integrations-Cafés«.

»Die MARO-Genossenschaft wurde 2012 gegründet und hat heute 800 Mitglieder«, sagte Schmidt-Winkler.« Ihr Ziel sei die Bereitstellung von bezahlbarem, sicherem Wohnraum für niedrige und mittlere Einkommensgruppen durch genossenschaftliches Bauen in Mehrgenerationenhäusern. »Wir streben keine Gewinnmaximierung an, sondern die schwarze Null«, beschrieb die MARO-Vertreterin das Genossenschaftsmodell.

Das Besondere sei, dass die Mieter in bauliche Entscheidungen miteingebunden würden und eine sichere Dauernutzung hätten. Als »echtes Alleinstellungsmerkmal« strebe man eine Hausgemeinschaft an, die mehr miteinander als nur nebeneinander her wohnt.

Die aktuelle Planung in Unterwössen sieht drei aufgelockerte und barrierefreie Baukörper mit 17 bis 20 Wohnungen, einen Gemeinschaftsraum sowie eine integrierte Arztpraxis vor. Baubeginn könnte 2020 sein, nachdem man 2019 noch für eine ausgereifte Planung brauche. Im Rahmen eines Architektenwettbewerbs wurden bereits fünf Vorschläge für das Gesamtkonzept bewertet. Die beste Lösung werde derzeit mit den späteren Nutzern und der Gemeinde überarbeitet.

Bebauungsplan stellt Nutzungen sicher

Mit dem beschlossenen neuen Bebauungsplan »Ortszentrum« soll die geplante städtebauliche Entwicklung im Sinne einer Wohnnutzung, einer Behinderteneinrichtung und weiteren angegliederten Nutzungen sichergestellt werden. Als Ziele wurden die Einbindung in das Ortsgefüge, die Wahrung eines angemessenen Ortsbilds und eine reichhaltige Eingrünung formuliert.

Sichtlich zufrieden mit dem Fortschritt des Projekts zeigte sich Bürgermeister Ludwig Entfellner: »Mit dem bezahlbaren Wohnraum und der Vorzeigeeinrichtung der Lebenshilfe schaffen wir ein echtes Zukunftsprojekt.« bvd