Heilpädagogisch-therapeutische Wohngruppe in Kammer wurde ihrer Bestimmung übergeben

»Lasst die Kinder zu mir kommen«

Traunstein – »Lasst die Kinder zu mir kommen« – diese Worte Jesu zitierte Dekan Peter Bertram bei der Einweihungsfeier der heilpädagogisch-therapeutischen Wohngruppe in Kammer. Zusammen mit seinem katholischen Amtsbruder, Stadtpfarrer Georg Lindl, segnete er das ehemalige Lehrerhaus an der Schmidstraße. Dort werden sechs Jugendliche mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen in einer Wohngruppe des Diakonischen Werks Traunstein betreut.

Der Geschäftsleiter der Wohngruppen-Jugendhilfe, Ronny Markert (von links), die Leiterin der Wohngruppe Kammer, Margit Manhart, Dekan Peter Bertram, Stadtpfarrer Georg Lindl und Oberbürgermeister Christian Kegel freuten sich über die Einweihung der heilpädagogisch-therapeutischen Wohngruppe in Kammer.

Die Gemeinde Kammer hatte ihr Lehrerhaus als »Mitgift« bei der Eingemeindung in die Stadt Traunstein im Jahr 1972 eingebracht. Seither war es vermietet. Vor einigen Jahren hatte die Stadt den Mietern gekündigt; das Haus stand dann mehrere Jahre leer und drohte zu verfallen, ehe man sich für die neue Nutzung entschied. Die Diakonie übernahm die Sanierung und bekam nach Angaben von Oberbürgermeister Christian Kegel dafür einen Erbbaurechtsvertrag.

Kegel sagte in seinem Grußwort: »Wenn Kinder psychosomatische Beschwerden oder psychogene Störungen haben und in der Familie keine Hilfe möglich ist, finden sie Unterstützung in der Wohngruppe in Kammer«. Hier werden sie nach seinen Worten von gut ausgebildetem Personal unterstützt, begleitet und gefördert. Die Familienangehörigen werden dabei eingebunden.

Kegels Meinung nach stimmen mit dem renovierten Gebäude in Kammer die Rahmenbedingungen. Er freue sich, dass das Diakonische Werk Traunstein hier den richtigen Ort für seine heilpädagogisch-therapeutische Wohngruppe gefunden habe. Er sei der Diakonie für deren soziale Dienstleistungen sehr dankbar.

Die Zweite Vorsitzende der Diakonie Traunstein, Margarete Winnichner, freute sich, dass neben den Gästen auch einige Nachbarn der Wohngruppe Kammer zu der Einweihungsfeier gekommen waren. Der Geschäftsleiter der Wohngruppen-Jugendhilfe, Ronny Markert, stellte sechs der neun Mitarbeiter vor, die in Kammer beschäftigt sind.

In der Wohngruppe leben seit April drei Mädchen und drei Buben zwischen 10 und 16 Jahren. Die Jugendlichen gehen zur Schule, kochen zusammen mit ihren Pädagogen, verbringen die Freizeit miteinander und führen das Leben wie in einer Familie. Am Tag sind zwei und nachts ist ein Mitarbeiter der Diakonie im Haus. Die Jugendlichen, die hier leben, konnten nach einem Krankenhausaufenthalt aufgrund einer psychischen oder psychosomatischen Erkrankung wie Depression, Angstzustände, Essstörungen oder anderen Symptomen nicht zurück in ihr Elternhaus. Ziel der Leiterin der Wohngruppe Kammer, Margit Manhart, und ihrer Mitarbeiter ist es, die jungen Menschen soweit zu bringen, dass sie nach zwei bis drei Jahren wieder zu ihren Familien zurückkehren oder selbstständig leben können.

Unterstützt werden die Pädagogen in Kammer vom Chefarzt der Abteilung sozialpädiatrische Kinder- und Jugendpsychosomatik im Klinikum Traunstein, Dr. Michael Bodensohn. Er forderte mehr Verständnis für Jugendliche, denen Erwachsene das Leben schwer machen: Eigentlich sollten sie keine Kinder mehr sein, aber man akzeptiert sie auch noch nicht als Erwachsene. Nach seiner Meinung sollten Jugendliche »sich ausprobieren dürfen«.

Er äußerte den Wunsch und die Hoffnung, dass die Stimmung in diesem Haus fröhlich, annehmend und ermutigend sei. Den Mitarbeitern der Jugendwohngruppe wünschte er, dass sie den Jugendlichen eine Atmosphäre des Vertrauens und nicht der Kontrolle, des Zutrauens und nicht der Entmutigung vermitteln können.

Der Vorsitzende und Geschäftsführer des Diakonischen Werks Traunstein, Diakon Thomas Zugehör, überreichte ein Kreuz an die Leiterin der Einrichtung mit den Worten »Gott ist in jedem Menschen zu finden. Er ist auch in diesem Haus.«

Stadtpfarrer Georg Lindl wünschte den Pädagogen und Jugendlichen ein gutes Zusammenleben in Kammer. Dekan Peter Bertram wies darauf hin, dass junge Menschen, um gut ins Leben zu kommen, nicht nur materielle Sicherheit brauchen, sondern auch Frieden und Freiheit. Ihr Leben und ihre Arbeit stehen unter dem Schutz Gottes. Sie bräuchten die Gewissheit, dass sie für unsere Zukunft wichtig sind.