Sissi Perlinger stellt ihr neues Programm »Worum es wirklich geht« im Traunsteiner NUTS vor

»Glückliche Menschen kaufen keinen Schrott«

Wenn ein Kabarettist behauptet, er mache den Job nicht des Geldes wegen, sondern aus Leidenschaft oder gar Berufung, hat dies immer einen leichten Beigeschmack. Nicht so bei der 1963 in Furth im Wald geborenen Kabarettistin und Schauspielerin Sissi Perlinger.

Sissi Perlinger: »Glückliche Menschen kaufen keinen Schrott«
Voller Körpereinsatz bei Sissi Perlingers neuem Kabarettprogramm, das sie in Traunstein vorstellte. (Foto: Heel)

Ihr nimmt man diese Aussage ab, und wer sie einmal erlebt hat, weiß auch warum: Weil sie ihr Publikum liebt und es glücklich sehen möchte. Oder anders bzw. mit ihren Worten gesagt: Weil ihre Auftritte einer Therapiesitzung gleichkommen, von der alle profitieren können. Und dafür gibt sie alles, mit vollem Körpereinsatz und ohne Scheu, dabei auch mal naiv oder weltfremd zu wirken.

So auch jetzt in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS, wo sie an zwei Abenden vor jeweils ausverkauftem Haus in einer Vorpremiere ihr neues Programm »Worum es wirklich geht« vorgestellt hat, beispielhaft inszeniert von Regisseur Dieter Woll. Gemeint war damit, dass der Mensch sich aus den Fesseln der Konsumgesellschaft befreien muss, um sein wahres Glück zu finden. Denn »glückliche Menschen kaufen keinen Schrott«. Doch wie sollen wir dies bewerkstelligen, »vergoogelt,veräppelt und amazonisiert«, wie wir längst sind? Können wir unter diesen Umständen überhaupt noch Erleuchtung erlangen? Wir können, angeleitet von der Kabarettistin, die uns in lockerer Folge immer wieder den Spiegel vorhielt, verknüpft mit einem virtuosen Reigen aus Gesang, Schauspiel und Yoga-Übungen. Dabei präsentierte sie nicht nur neueste Ergebnisse der Hirnforschung, die nahelegten, dass Testosteron sich negativ auf die Empathie auswirkt, sondern führte in einer grandiosen Verwandlungsshow auch vor, wie nahe der Mensch am Schimpansen gebaut ist.

Natürlich gibt es dabei auch Ausnahmen. Glatzköpfige, mit Springerstiefeln ausstaffierte Neonazis etwa, denen Sissi Perlinger in einem furiosen Rollenspiel auf den lädierten Leib rückte: »erst die Chemo, und dann die orthopädischen Schuh!« Höhepunkt des Abends war schließlich ein »Insektentreffen«, bei dem sie so fix wie perfekt ein Tierchen nach dem anderen imitierte und mit Witz miteinander kommunizieren ließ. Und dabei auf feinste Weise begreifbar machte, welch Verlust uns da bevorsteht. Im Schatten des Artensterbens auch eine Art der Erleuchtung. Ansonsten lautete ihre Devise: Einfach mal lächeln, und schon sieht die Welt gleich anders aus. Wolfgang Schweiger