10-Millionen-Euro-Projekt ist eines der größten Bauprojekte in der 50-jährigen Geschichte der Lebenshilfe

Ein Haus des Wohnens und der Begegnung

Traunstein – Mit dem inklusiven Wohn- und Begegnungsprojekt Traunstein hat die Lebenshilfe Traunstein einen wegweisenden Meilenstein auf den Weg gebracht. Das über 10-Millionen Euro-Projekt am Bahnweg für Menschen mit und ohne Behinderung hat drei Gebäude und ist eines der größten Bauprojekte in der 50-jährigen Geschichte der Lebenshilfe.

Traunstein: Wohn- und Begegnungsprojekt Traunstein
Der Innenhof des inklusiven Wohn- und Begegnungsprojekts bietet ausreichend Platz für ein kommunikatives Miteinander. (Foto: Rasch)

»Die drei Häuser schaffen den Rahmen, alle Menschen in unserer Gesellschaft mitzunehmen. Ein unglaublich wichtiges Beispiel, wie Inklusion gelingen kann«, lobte die stellvertretende Vorsitzende des Lebenshilfe-Landesverbands, Hildegard Metzger, bei der Einweihung des Projekts. Auch die zahlreichen Vertreter des Landkreises, des Bezirks Oberbayern und der Bayerischen Staatsregierung würdigten das »ehrgeizige und tolle Projekt« der Lebenshilfe. Für die musikalische Gestaltung sorgte das Akkordeon-Ensemble »Amici Fisarmonica.«

Inklusives Projekt ist in zwei Jahren entstanden

Um den künftigen Herausforderungen zu begegnen, sei in rund zweijähriger Bauzeit ein inklusives Wohn- und Begegnungsprojekt entstanden, das viele Schwerpunkte und Entwicklungen zugunsten von Menschen mit Behinderung umfasse, sagte der Vorsitzende und Aufsichtsratsvorsitzende der Lebenshilfe Traunstein, Wolfgang Maier. Das Projekt, mit dem auch der Bedarf gedeckt sei, sei zukunftsweisend und es werde dem Wunsch- und Wahlrecht der betroffenen Menschen gerecht.

In den drei Häusern gibt es 24 Wohnheimplätze für Menschen mit geistiger Behinderung, die eine Werkstatt besuchen und ein stationäres Umfeld benötigen. Ergänzend gibt es zwei Kurzzeitpflegeplätze für Menschen mit Behinderung sowie Wohntrainingsgruppen, in denen Menschen auf das Wohnen in einer eigenen Wohnung vorbereitet werden. Außerdem stehen elf Appartements zur Verfügung, in denen Menschen mit und ohne Behinderung leben können und eine Praxis für therapeutische und ärztliche Leistungen.

Es gibt auch einen Begegnungsraum für Freizeit- und Bildungsaktivitäten von Menschen mit und ohne Behinderung mit Cafeteria und Bildungsräumen. Wegen dort beengter räumlicher Verhältnisse wurde auch die Geschäftsstelle und Zentralverwaltung von Traunreut nach Traunstein verlegt. Von ihrem neuen Büro aus kann Lebenshilfe-Geschäftsführerin Annemarie Funke, das gesellschaftliche Zusammenwachsen im Innenhof beobachten.

Funke hat maßgeblich zum Gelingen des Projekts beigetragen. »Das alles wäre nicht möglich gewesen, wenn das Projekt nicht in allen Bereichen von Frau Funke überwacht worden wäre. Deshalb verdient diese außergewöhnliche Leistung auch eine besondere Anerkennung«, sagte Maier und überreichte ihr einen »Gutschein zur Entspannung.«

Jetzt muss das Haus mit Leben erfüllt werden

Es sei durchaus ein großes Ziel gewesen, aber es habe Spaß gemacht, erklärte Funke. Ihr Wunsch sei es, das Projekt mit Leben zu erfüllen. »In der Theorie haben wir uns viel vorgenommen. Jetzt ist es wichtig, das zu erreichen, was wir in der Theorie erarbeitet haben.« Ein solches Projekt könne aber nur gelingen, wenn die Zusammenarbeit zwischen Bauherrn, Verantwortlichen und Planern sowie Mitarbeitern und Zuschuss-Gebern, allen Unterstützern sowie den Betroffenen auch erfolgreich sei.

Architektin Maria Weig bestätigte den rund 50 am Bau beteiligten Firmen und Fachplanern eine außerordentlich gute Zusammenarbeit. Ende Juni 2016 wurde mit dem Straßenbau begonnen, ehe im darauffolgenden August mit dem Bau der drei Häuser begonnen wurde, die im August dieses Jahres bezugsfertig waren. Gleichzeitig wurden die Außenanlagen hergestellt. Weig wünschte allen ein angenehmes Miteinander und überrichte Funke den symbolischen Schlüssel.

Die Ehrengäste lobten unisono das inklusive Projekt als Ort des Wohnens und der Begegnung, der allen offen steht. »Ich gratuliere zu dem tollen Projekt. Die Stadt Traunstein und die Region kann stolz darauf sein«, sagte Landrat Siegfried Walch. Große Hochachtung zollte Oberbürgermeister Christian Kegel der Lebenshilfe. Es erfülle ihn mit Stolz, dass das Projekt in Traunstein sei. Dass Inklusion nicht auf Kopfdruck gelingt und die Gesellschaft dazu noch sehr viel leisten muss, stellte der Ministerialrat des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, Dr. Oliver Boeck, heraus. Es sei unser aller Aufgabe, daran mitzuwirken, dass Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben in unserer Gesellschaft führen können. Das Lebenshilfeprojekt sei dafür beispielgebend.

4,7 Millionen Euro kamen vom Freistaat Bayern

Die Behindertenbeauftragte des Bezirks Oberbayern, Bezirksrätin Claudia Hausberger, bezeichnete das Projekt als »Vorreiter der Inklusion« und die Baudirektorin von der Regierung von Oberbayern, Doris Schmid-Hammer, sprach von einem »mutigen Schritt«. Der Freistaat Bayern habe das Projekt mit 4,7 Millionen Euro unterstützt. Die restliche Finanzierung setzt sich unter anderem aus Mitteln der Wohnraumförderung, des Bezirks Oberbayern und Spenden zusammen.

Wie gelebte Inklusion ausschauen kann, demonstrierten die seit einem Umfall schwerbehinderte Andrea Geyer und ihr Musiklehrer Ulrich Membre auf dem Akkordeon. Für das »Andante von Bernau« gab es großen Applaus. Viel Beifall gab es auch für Sopranistin Christa Huber, die in Begleitung des Akkordeon-Ensembles das Ave Maria vortrug und nicht zuletzt für das »musikalische Einweihungsgeschenk« des Ensembles. Den kirchlichen Segen erteilten der Traunsteiner Stadtpfarrer Georg Lindl und Dekan Peter Bertram. Für alle drei Häuser hatten sie bunte Kreuze mitgebracht, die einen würdigen Platz finden werden. ga