Studenten der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf arbeiten Mobilitätskonzepte für Ramsau aus – Präsentation im Rathaus

»Die Situation hat nichts mehr mit einem Bergsteigerdorf zu tun«

Ramsau – Eine Projektgruppe der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf hatte sich mehrere Monate mit der »Mobilität im Bergsteigerdorf Ramsau« auseinandergesetzt und Ideen gesammelt, um den beliebten Tourismusort nachhaltiger zu gestalten.

Studenten der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf haben sich mehrere Monate mit der Gemeinde Ramsau beschäftigt und Verbesserungsmöglichkeiten gesammelt. Im Fokus stand die Mobilität. (Foto: Pfeiffer)

Unter der Leitung von Prof. Dr. Jens Badura entwickelten die Studenten Konzepte, um das drohende Verkehrschaos von der Gemeinde fern zu halten. Im Rathaus wurden nun die Ideen in einer ausführlichen Präsentation vorgestellt.

Dabei konzentrierten sich die Studenten des Studiengangs »Regionalmanagement in Gebirgsräumen« auf Themen wie den öffentlichen Nahverkehr. Dieser ist in Ramsau bisweilen wenig ausgeprägt und unzureichend durchdacht. Tatsächlich werden touristische Ausflugsziele, wie etwa das Hochschwarzeck, nur selten angesteuert, direkte Busanbindungen fehlen oft. Für Ramsau-Urlauber sei das ein deutlicher Nachteil.

Die Studenten, die aus Freising kommen, hatten vier Stunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln benötigt, um in die Ramsau zu kommen. »Das ist zu viel«, lautete das Fazit. Das Hochschwarzeck sei im Winter ein beliebtes Skigebiet und bekannt für dessen Rodelbahn, im Sommer seien es Wanderausflügler, die hier unterwegs seien. 60 Prozent der Gäste kämen im Winter. »Somit ist klar, dass man im Sommer mehr tun muss.« Die Studenten schlugen vor, einen »Ramsau-Weg« zu beschildern, also einen Wanderweg, der durch den gesamten Ort verläuft, vorbei an touristisch relevanten Zielen. »Man könnte etwa während des Weges auf Schildern Bergsteigergeschichten erzählen, und auf diese Weise dem Bergsteigerdorf gerecht werden.«

Wichtig seien eine gute Beschilderung sowie geführte Touren. Nimmt man das Hochschwarzeck als Ziel des »Ramsau-Weges« könnte man oben etwa Verkaufsflächen für regionale Produkte schaffen. Künftig solle man das Hochschwarzeck zudem nicht mehr als »Familien-Skigebiet« bezeichnen, sondern allgemein als »Familien-Gebiet«. In Sachen öffentlicher Nahverkehr seien Shuttle-Busse das geeignete Mittel der Wahl, um nach Ramsau zu kommen, aber sich auch im Ort zu bewegen. Um sanfte Mobilität garantieren zu können, müsste man sich ebenso Gedanken über eine Elektromobilitätsflotte machen. Als Beispiel nannte man den Ort Werfenweng, wo es Ähnliches bereits gibt. »Damit wären alle Orte in der Ramsau schnell erreichbar.« Da das Unterfangen kostspielig ist, verwiesen die Studenten auf zahlreiche Fördertöpfe, die für derartige Umsetzungen existierten. Denkbar sei auch ein Ramsau-Bus, der in gewisser Regelmäßigkeit durch den Ort fährt. So etwas kann man sich auch bei der Gemeinde vorstellen.

Die Studenten schlugen vor, dass es ein Belohnungssystem geben müsse, um Urlauber dazu zu motivieren, mit dem Zug anzureisen. Vorstellbar sei etwa eine kostenlose Mobilität während des Aufenthalts. Auch das E-Bike-Sharing, also das Zurverfügungstellen von elektrischen Pedelecs, müsse überdacht werden, fixe Stationen inklusive, an denen man die Räder ausleihen kann. Denn das große Problem, das die Gemeinde in den vergangenen Jahren belastet, ist der übermäßige Verkehr dank steigender Gästezahlen und zunehmender Tagesausflügler, die der Gemeinde wenig Geld in die Kassen spülen, dafür aber wertvollen Parkraum nehmen. Tatsächlich sind beliebte Ausflugsziele, wie etwa der Hintersee, während der Saison zugeparkt.

»Ich meide den Hintersee im Sommer«, so ein Ramsauer Zuhörer. »Da geht es zu wie am Stachus in München«, lautete sein Fazit. Auch die Blaueishütte sei nur noch eine Zumutung, da die Wege vollkommen überlaufen seien. »Das ist unzumutbar.« Mehrere Bürger plädierten dafür, in Zukunft konsequenter abzuschleppen, um Wildparker abzuhalten. Vielmehr müsse man Lösungen finden, dass Urlauber besser dorthin kommen können, wo sie hin wollen. Wichtig sei ein Parkplatzmanagement. Das lasse sich auch mit einer Parkraumüberwachung bewerkstelligen. Dank smarter Park-Szenarien wäre sofort klar, wo man noch parken könnte, über eine App hätten Besucher einen sofortigen Überblick.

Ein weiterer Vorschlag der Studenten: eine App zu entwickeln, in der man den optimalen Anreiseweg nach Ramsau planen könne. Jemand, der von Hamburg nach Ramsau wolle, müsste auf einen Blick die optimale Anfahrt vorgeschlagen bekommen. Überdacht werden sollte ebenfalls, den Ort selbst als verkehrsberuhigte Zone umzuwidmen. So könnte man zwar Anwohnern Ausnahmegenehmigungen aussprechen, alle anderen müssten sich aber auf die Mobilitätsmittel, die zur Verfügung stehen, besinnen. »Natürlich muss dann etwas geboten sein, das attraktiv ist.«

Ramsaus Bürgermeister Herbert Gschoßmann zeigte sich dankbar für die zahlreichen Projektvorschläge, wovon einige durchaus relevant seien. Selbst von sukzessiver Parkgebührerhöhung schreckt man in der Gemeinde nicht zurück. »Allerdings müssen wir dann auch ein besseres Angebot bieten«, sagte er. Auch Tourismusdirektor Fritz Rasp ist von den studentischen Vorschlägen angetan. »Wir brauchen definitiv ein Konzept für unseren Ort«, sagte er und ermunterte die Ramsauer Bürger, sich den Arbeitsgruppen, die kürzlich gegründet worden waren, anzuschließen. Kilian Pfeiffer