Bekannte »Youtube«-Familie Scherzinger verkauft gesamtes Hab und Gut bei Hausflohmarkt und geht auf Reisen

Alles muss raus

Berchtesgaden – Die Youtuber-Familie Scherzinger, die mehrere Tausend Fans auf der Videoplattform hat, bricht mitten in der Weihnachtszeit die Zelte in Berchtesgaden ab.

Ob Waschmaschine, Toaster oder Bilder an der Wand: Lilian Scherzinger freut sich über Abnehmer der unzähligen Dinge aus dem Hausstand. (Foto: Pfeiffer)

Jannis Scherzinger, Ehefrau Lilian und die Kinder Romy und Marie gehen auf Weltreise. Bei einem Hausflohmarkt haben sie ihren kompletten Hausstand veräußert. Übrig bleiben ein paar Klamotten und jede Menge Erinnerungen.

Dass Familie Scherzinger irgendwann einmal Berchtesgaden verlassen würde, war schon lange geplant. Auch wenn das Ziel nie feststand, war für Jannis und Lilian klar, dass sie raus wollten, die Welt entdecken. »Vor sechs Wochen ist uns bewusst geworden, dass unsere aktuelle Wohnung keine Lösung für die Zukunft ist«, sagt Jannis. Der Wunsch, gemeinsam mit anderen Familien irgendwo auf der Welt in Gemeinschaft zu leben, war zu stark.

Als kürzlich das Auto der Familie kaputt ging, entschieden sich die Scherzingers, auf öffentliche Verkehrsmittel zu setzen. »Das war ein kleiner Vorgeschmack, wie gut es sich anfühlen kann, sich von Dingen zu trennen«, sagt Jannis. Leichter und leichter werde man mit jedem Stück, das man verkaufe. Vor zwei Monaten fiel die Entscheidung, die Wohnung zu kündigen, ohne einen Plan. »Das hat sich überraschend gut angefühlt«, sagt Jannis.

Richtig frei gemacht haben sich die Youtuber mit dem Hausflohmarkt, den sie klassisch mit Plakaten, die sie im Markt von Berchtesgaden verteilt hatten, ankündigten. »Wir wollten unbedingt einen Wohnungsflohmarkt machen«, sagt Jannis. Jeder konnte bei den Scherzingers zu Hause vorbeikommen und einkaufen. Vom Toaster bis hin zum Sitzkissen, von Kleidung bis zum Badezimmerschrank. Für einige Dinge hatten sich im Vorfeld bereits Freunde und Verwandte vormerken lassen. »Da legten wir dann natürlich ein Veto ein«, sagt Jannis. Die Resonanz war groß: Die Berchtesgadener stürmten die Wohnung regelrecht und konnten vieles gebrauchen.

Alles zu verkaufen, hatten sich Jannis und Lilian gut überlegt. Lediglich ein paar Kisten lagern die beiden bei Lilians Oma ein, wobei nur das Persönlichste aufgehoben wird: Fotos, Unterlagen, ein paar Lieblingskleidungsstücke und das Spielzeug der Kinder. »Unsere Fotoalben haben sehr großen Wert für uns.« Auch einen Kristall werden die Scherzingers behalten. In den Kristall hatten die Hochzeitsgäste auf der Ligoascht auf dem Obersalzberg ihre guten Wünsche für das gemeinsame Leben hineingesprochen.

Die Kinder, die zweijährige Romy und die eineinhalbjährige Marie, kommen mit der Situation gut zurecht. Vor Kurzem hatten die Scherzingers einige Wohnungsbesichtigungen vereinbart. Seitdem geht Marie, wenn Unbekannte klingeln, weil sie etwas kaufen wollen, aufgeregt zur Tür und fragt: »Willst du hier wohnen?«

Auf die Reise mitnehmen will die Familie nur das Nötigste. Besonderen Stellenwert hat die Filmausrüstung, mit der der 23-Jährige auch in Zukunft die Erlebnisse der Familie für die Öffentlichkeit festhalten will. Klamotten seien nicht so wichtig, »da wir noch das eine oder andere farbenfrohe Kleidungsstück auf Reisen erwerben wollen«.

Unbedingt dabei sein muss ein kleines scharfes Messer mit Wellenschliff. Fehlen dürfe auch die Gitarre oder die Ukulele nicht, »da müssen wir uns noch für eins entscheiden«, sagt Jannis mit einem Lächeln. »Wir wissen, dass wir mit wenig sehr gut auskommen, allerdings haben wir den Minimalismus bisher nicht wirklich gelebt«, sagt Jannis, der sich als Neu-Minimalist bezeichnet.

Der Freiheitsgedanke prägt die Scherzingers und gibt ihnen Auftrieb für die kommenden Monate. »Für uns bedeutet Freiheit, die Zeit als Familie zusammen zu erleben und unsere Tage so zu gestalten, wie wir es wollen.« Auch die Meinungsfreiheit, in der man angstfrei und offen reden kann, spielt für den Wahl-Berchtesagdener eine große Rolle. Ebenso einen Beruf auszuüben, den man auch ohne Bezahlung gerne machen würde – »der einen nachhaltig glücklich macht und erfüllt«.

Für die Scherzingers bedeutet Glück, bewusst entscheiden zu können, auf was man den persönlichen Fokus legt: »Das Glück als Kompass für das Leben«, sagt Jannis. Natürlich erfordere es Mut, außergewöhnliche Entscheidungen zu treffen, die Zelte abzubrechen und Neues zu wagen. »Für uns sind in den letzten Jahren aber immer wieder neue Welten aufgegangen und einige unserer Werte haben sich deutlich gewandelt.« Mit jeder neuen Ansicht habe die Familie aber auch wieder neue Menschen kennengelernt, die sie inspiriert haben. Nach Weihnachten soll es mit der Reise losgehen. Erster Stopp: Thailand. Kilian Pfeiffer