Nur noch die Hälfte aller Arbeitnehmer nach Tarif bezahlt

München (dpa/lby) - Ein großer Teil der bayerischen Firmen hat sich nach einer neuen Studie des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) aus der Tarifbindung verabschiedet. Inzwischen werden nur noch 53 Prozent der Arbeitnehmer im Freistaat nach Tarif bezahlt, wie der DGB-Landesvorsitzende Matthias Jena am Mittwoch in München sagte. Zu Beginn der achtziger Jahre waren es noch mehr als 80 Prozent. In nur noch einem guten Viertel der bayerischen Unternehmen gilt demnach ein Tarifvertrag. Da dazu große Konzerne wie Siemens und BMW zählen, ist der Anteil der nach Tarif bezahlten Arbeitnehmer allerdings höher.

Deutscher Gewerkschaftsbund
Leere Stühle stehen vor dem Logo des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) im CityTube in Berlin. Foto: Christoph Schmidt/Archiv Foto: dpa

Bayern sei in Sachen Tarifbindung Schlusslicht unter den westdeutschen Flächenländern, sagte Studienautor Thorsten Schulten. «Wenn man es zugespitzt negativ formuliert: Bayern nähert sich dem ostdeutschen Niveau an.» Der Hauptnachteil für die Arbeitnehmer aus Gewerkschaftssicht: Schlechtere Bezahlung in Betrieben ohne Tarifvertrag. Laut Studie verdienen die Mitarbeiter tarifgebundener Firmen im Schnitt neun Prozent mehr als die Kollegen in vergleichbaren Unternehmen ohne Tarif. Die Gehälter in Bayern sind laut Studie auch nicht höher als in anderen Bundesländern.

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Jena gab dem Arbeitgeberverband eine Mitverantwortung: «Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft hat die Tarifflucht über Jahre systematisch gefördert.» Lediglich eine einzige Branche ist demnach noch zu hundert Prozent tarifgebunden: der öffentliche Dienst. In der Gastronomie sind es dagegen nur 21 Prozent der Betriebe - der niedrigste Wert. Maßgeblich beteiligt an der Studie war das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der gewerkschaftseigenen Hans-Böckler-Stiftung.