Haus der Kunst zeigt «Für alle Lieben in der Welt»

Noch vor einem Jahr erlebte das Haus der Kunst schwere Zeiten. Vor allem die finanzielle Schieflage machte der Institution zu schaffen. Nun ist dort eine Ausstellung zu sehen, die viele Besucher anlocken dürfte - mit Werken des berühmten Künstlers Jörg Immendorff.

Künstler Jörg Immendorff
Künstler Jörg Immendorff. Foto: Horst Ossinger/Archiv Foto: dpa

München (dpa) - Das Haus der Kunst in München widmet sich in den kommenden Monaten dem künstlerischen Schaffen von Jörg Immendorff. Die Ausstellung «Für alle Lieben in der Welt» spannt einen Bogen vom Frühwerk des skandalträchtigen Malers bis zu seinen letzten Arbeiten aus dem Jahr 2007, kurz vor seinem Tod. «Er ist ein hochpolitischer Künstler gewesen», sagte der Hauptkurator des Hauses, Ulrich Wilmes, am Donnerstag in München, wo die Ausstellung am Abend im Beisein des Altkanzlers Gerhard Schröder (SPD) eröffnet werden sollte. Im Herbst 2019 soll die Ausstellung in Madrid zu sehen sein.

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Insgesamt sind in München bis zum 27. Januar 2019 rund 200 Gemälde und Skulpturen zu sehen, auch aus Immendorffs berühmtem Bilderzyklus «Café Deutschland», in dem der Düsseldorfer seine persönliche Vision der Wiedervereinigung festhielt. Eindrücklich seine Bilder und Bronzeskulpturen mit Affen, ebenso wie die Selbstporträts oder Bilder der kritischen Performance-Reihe «Lidl», deren Namen Immendorff an das Geräusch einer Babyrassel erinnerte und die nichts mit dem Discounter zu tun hat. Immendorff, der Schüler von Joseph Beuys war, sorgte öfter für Schlagzeilen, mit seinen Kunstaktionen ebenso wie mit Kokain-Orgien in einem Nobelhotel.

Namensgebend für die Ausstellung sind die Bilder von Babys, deren Körper und Gesichter grotesk aufgebläht sind. Eines von ihnen schmiegt sich an einen Blumenstrauß in Plastikfolie mit einem Anhänger, auf dem steht «Für alle Lieben in der Welt». Schließlich ist auch sein Spätwerk zu sehen, Bilder mit Gold, Silber und großflächigem Schwarz. Weil er wegen seiner Nervenkrankheit nicht mehr selber malen konnte, schuf er die Werke mit Hilfe von Studenten am Computer. Anschließend habe er sie ausgedruckt und dann auf Leinwand übertragen lassen, erzählte seine Witwe Oda Jaune.

Angestoßen hatte die Schau im Haus der Kunst noch der ehemalige Direktor Okwui Enwezor, der im Juni aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war. Zuvor hatte das Haus turbulente Zeiten erlebt, auch weil dramatische Finanzprobleme bekanntgeworden waren. Die Immendorff-Ausstellung könnte nun wieder reichlich Besucher bringen. «Ich glaube, es ist zur richtigen Zeit, dass wir sie hier jetzt zeigen, gerade auch nach den Diskussionen, in die das Haus in den letzten Jahren geraten ist», sagte der kaufmännische Geschäftsführer Bernhard Spies.

Eine andere Ausstellung musste dagegen wegen Geldmangels abgesagt werden: Die Schau der Video- und Performancekünstlerin Joan Jonas aus der Tate Modern in London wird nun nicht wie geplant ab November im Haus der Kunst Station machen.

Jörg Immendorff: Für alle Lieben in der Welt